Werkstattpraxis

Was tun bei Holm und Rippenbruch?
Es muss nicht gleich ein großer Unfall sein. Da hat mal jemand nicht richtig hin geschaut und schon hat der Flügel unseres Flugzeuges beim Ausräumen aus der Halle unangenehme Bekanntschaft mit dem Hallentor gemacht. Das Hallentor war stärker, ein Loch ist in der Tragfläche.

Was nun? Fliegen tun wir mit einer solchen Beschädigung nicht mehr, die Sicherheit geht vor, selbst wenn das Flugzeug so noch flugfähig wäre.

Aber auch bei solchen Missgeschicken gibt es im Verein immer Leute, die wissen, was zu tun ist, um unser Flugzeug wieder in die Luft zu bekommen.

Der Technische Leiter oder einer der Werkstattleiter begutachtet den Schaden fachmännisch, dann wird das Flugzeug auseinander gebaut und kommt in die vereinseigene Werkstatt. Ein paar Tage wird dann gemeinschaftlich gesägt, geschliffen, geleimt und lackiert und danach kann unser Flugzeug frisch hergerichtet wieder in die Luft.

Jeder Schüler lernt während seiner Ausbildung bereits, solche Schäden zu erkennen und wird mit der Wartung eines Segelflugzeuges vertraut gemacht.
Dieses Erlernen von praktischen Handfertigkeiten bei der Reparatur und Wartung von Segelflugzeugen und Startgeräten ist ein großer Vorteil der Vereinsausbildung, in den Flugschulen wird das nicht mit angeboten.

Dass solche Eigenmaßnahmen in Deutschland möglich sind, hat historische Gründe. In vielen anderen Ländern sind Eigenreparaturen an Flugzeugen nicht erlaubt.
In Deutschland wurden Segelflugzeuge schon von Beginn der Fliegerei und auch nach Zulassung des Segelflugs nach dem zweiten Weltkrieg zunächst von ihren Piloten selber gebaut.
Das konnte man dann auch später nicht mehr per Gesetz verbieten. Da aber bei uns nichts ohne Bürokratie funktioniert und Betriebe, die Flugzeuge bauen und reparieren, einer amtlichen Zulassung durch das Luftfahrtbundesamt bedürfen, haben alle Vereinswerkstätten über die Landesverbände des Deutschen Aeroclubs eine Zulassung als „luftfahrttechnischer Betrieb“ genauso wie auch Airbus Industries oder Boing.

Diese luftfahrttechnischen Betriebe dürfen aber nicht nur Flugzeuge reparieren, sondern auch Werkstattpersonal ausbilden. So kann jedes Mitglied unseres Vereins auf Wunsch eine technische Ausbildung absolvieren. Bei uns im Verein gibt es die Fachrichtungen für Holzflugzeuge, für Glas – und Kohlefaserflugzeuge und für Motorsegler. Dazu gehören ein paar Jahre Ausbildung in der Werkstatt, die von unseren Werkstattleitern durchgeführt wird und dann ein amtlich anerkannter Lehrgang der entsprechenden Fachrichtung im Landesverband mit der Prüfung als Werkstattleiter oder Motorseglerwart.

Zur Zeit hat unser Verein vier Werkstattleiter der Fachrichtung Holz, zwei davon haben zusätzlich auch die Fachrichtung Glas – und Kohlefaser, und drei Motorseglerwarte.

Übrigens ist die Technik bei uns nicht nur Männersache, die Frauen sind da was Flexen, Leimen und Harzen anbetrifft, kräftig am mitmischen.

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