Fluglehrer

Wenn die Ausbilder selber auf die Schulbank müssen…

Alles fertig zum Start, Seil eingeklinkt. Das Schleppflugzeug rollt vor und verschwindet hinter dem Kopf meines vor mir sitzenden „Schülers“, nur die Flügelspitzen gucken noch rechts und links wie zwei Ohren hervor. Ich muss den Kopf schief halten, damit ich die Maschine vor mir im Blick behalte. „Du fliegst und sagts mir dabei, was du tust“ Anweisung vom Fluglehrerausbilder, der den „Schüler“ spielt. Ich erkläre den Start: „Seilstraffen beobachten – anrollen – abheben und tief hinter der Schleppmaschine bleiben – abheben der Maschine beobachten – mitsteigen – Räder an den Horizont…..“ gar nicht so einfach, bei Fliegen auch noch zu sprechen.

Das Flugzeug klinkt aus, der „Schüler“ fliegt einige Kurven, das Fahrgeräusch wird ungewöhnlich laut und der Faden an der Haube steht quer. Irgendwie fühlt sich das nicht richtig an, aber was bloß ist falsch????

„Ich hab das Seitenruder vergessen, hast Du das nicht gemerkt?“ kommst es von vorn. Ich habe es nicht erkannt und stelle die Füsse fester in die Pedale, damit mir das das nächste mal nicht entgeht.

„Lass die Füße aus den Pedalen, sonst merkt der Schüler nicht, was er tut“ kommt es wieder von vorne. „Den Fehler musst Du am Haubenfaden erkennen. Hände weg vom Steuer!“.
O Je, wie soll ich das in zwei Wochen lernen?? Da habe ich zwanzig Jahre Fliegerei hinter mir und weit über 1000 Starts mit ebenso vielen Flugstunden und jetzt komme ich mir wieder vor wie ein dummer Schüler – dabei soll ich hier Fluglehrer werden!!!

Wie wird man Fluglehrer? Zunächst gibt es da natürlich die gesetzlichen Bestimmungen: 150 Stunden Flugerfahrung und 250 Starts nach Erhalt des Luftfahrerscheins, ein 200 km Überlandflug, Startberechtigung für Winden- und Flugzeugschlepp und die Windenfahrerberechtigung.

Aber das ist meistens nicht ausreichend. Je nach Landesverband werden meist noch zusätzliche Überlandflugkilometer verlangt. Außerdem sollte ein Fluglehrer für den Verein möglichst immer verfügbar sein, sollte im Umgang mit jungen Menschen und in Führungspositionen Erfahrung haben und die Bereitschaft, einen Menge Freizeit für die Ausbildung der Flugschüler zu opfern.
Die Ausbildung selber dauert schon eineinhalb bis zwei Jahre und teil sich in folgende Abschitte:

Auswahl und Vorausbildung im Verein
Der Fluglehreranwärter wird beim zuständigen Landesverband des DaeC angemeldet. Im nächsten halben Jahr gilt es dann, die komplette Theorie der Segelflugausbildung zu wiederholen, das Fliegen vom hinteren Sitz des Schulflugzeuges mit mindestens 20 Starts unter Anleitung eines Fluglehrers vorne zu erlernen und zwei Unterrichtsproben vor Schülern zu halten.

Vorausbildung zur Vorauswahlprüfung
Hier wird in 40 Unterrichtsstunden, die meist in Wochenendkursen stattfinden, die nötige Theorie vermittelt. Dazu gehört eine Menge Theorie über Aerodynamik, Meteorologie und Navigation büffeln, das gesamte Luftverkehrsrecht auswendig können, Kenntnisse über menschliches Leistungsvermögen und Reaktionsfähigkeit bei kritischen Situationen. In einer 6-stündigen theoretischen Vorauswahlprüfung und drei Prüfflügen vom Fluglehrersitz hinten mit einem Prüfer wird getestet, ob der Anwärter tauglich ist, die Fluglehrerausbildung in einem amtlich anerkannten Lehrgang zu beginnen.

Fluglehrerlehrgang
In einem zweiwöchigen Kompaktlehrgang wird der Anwärter zum Fluglehrer ausgebildet. Hier wird die Theorie in Psychologie und Pädagogik vermittelt und in Lehrproben wie man eine Unterrichstunde richtig hält.
In der Praxis wird in einer simulierten Ausbildung erlernt, wie man einem Schüler die einzelnen Flugübungen beibringt und Flugfehler erkennt.
Der Lehrgang schliesst mit einer Theorieprüfung in Pädagogik und Methodik des Lehrens, drei bis fünf Prüfflügen und einer Prüfungslehrprobe vor dem Prüfungsrat der Luftfahrtbehörde ab.

Ausbildung unter Aufsicht eines amtlich anerkannte Fluglehrers
Mit der Fluglehrerprüfung ist die Ausbildung aber noch nicht abgeschlossen. Jetzt ist man erst Fluglehrerassistent und nun beginnt die Ausbildung unter realen Bedingungen, d.h. man darf mit richtigen Schülern schulen, aber unter Anleitung eines Fluglehrers. Hier muss der Fluglehrerassistent die Schüler einmal in allen Ausbildungsabschnitten bis zur Luftfahrerscheinprüfung ausbilden.
Erst danach ist die Assistentenzeit beendet und man bekommt die Lehrberechtigung.

Bei meinem ersten echten Schulstart auf unserem Flugplatz habe ich dann doch ein starkes Kribbeln im Bauch. Schließlich weiss ich nicht, was mein richtiger Schüler alles anstellt. Der aber fliegt völlig sicher seine Platzrunde und kann nach zwei Starts dann auch alleine los.