Fliegen ohne Motor?

Segelflugzeuge besitzen keinen eigenen Antrieb. Trotzdem können sie manchmal über zehntausend Meter hoch steigen und Strecken von vielen hundert Kilometern zurücklegen.

Das ist möglich, weil Segelflieger das Wetter als Antrieb benutzen.

In der Regel sind Segelflieger kaum auf Wind angewiesen. Ganz im Gegenteil – er wirkt sich häufig nur störend aus. Einerseits wird ein Flugzeug bei starkem Wind schnell von seinem geplanten Kurs abgetrieben, andererseits erschwert er durch Verwirbelungen in Bodennähe Starts und Landungen.
Segelflieger benötigen andere Wettererscheinungen, die die Sonne mit ihrer Wärmestrahlung verursacht. Starke aufsteigende Luftströmungen, die ganze Flugzeuge mit sich emporheben können.
Ausgenommen davon ist das Fliegen bei Hangwind und das Wellenfliegen. Hier geht es ohne Wind nicht.

Hangwind
Der Hangwind wurde 1920 als erste der für den Segelflug nutzbaren Wettererscheinungen entdeckt und ist auch am leichtesten zu verstehen. Ein gleichmäßiger Wind trifft auf seinem Weg einen quer liegenden Höhenzug. Wenn dieser wesentlich breiter als hoch ist, dann kann der Wind nicht rechts oder links daran vorbei fließen, sondern muss zwangsläufig darüber hinweg strömen. Dadurch findet man kurz vor dem Hang ein schmales Gebiet aufsteigender Luft. Wenn man vor dem Hang der Kontur folgend hin und her fliegt, kann man sich in der Luft halten und mit etwas Geschick sogar an Höhe gewinnen. Je nach Windgeschwindigkeit kann ein Hang-Aufwind bis etwa zur fünffachen Hanghöhe wirksam sein. So gesehen kann etwas Wind zumindest in diesem Fall ganz nützlich sein. Während des Hangfluges muss ein Segelflieger allerdings aufpassen, dass er nicht in die vom Wind abgeneigte Seite – das Lee – gerät, denn der Wind folgt auch hinter dem Berg der Kontur seiner Oberfläche. Das hat zur Folge, dass es dort starke Abwinde gibt, die einen Segelflieger sehr schnell zur Landung zwingen können.

Thermik
Thermik ist die am meisten von Segelfliegern genutzte Auftriebsquelle. Sie wird durch Temperaturunterschiede zwischen erwärmter Luft am Boden und kälterer Luft in der Höhe hervorgerufen. Diese entstehen eher an Tagen mit starker Sonneneinstrahlung, also im Frühling und Sommer, oder über großen Industrieanlagen mit starker Abwärme. Wärmere und damit leichtere Luftmassen steigen auf und können ein kreisendes Segelflugzeug mit sich emportragen.
Je nach Wetterlage kann ein thermischer Aufwind über Norddeutschland Höhen von 500 bis 3000 Meter bringen.
In anderen Gegenden, wie über der australischen oder namibischen Steppe, können auf diese Weise durchaus Höhen von 5000 Meter und mehr erflogen werden. Wenn der in der Luft enthaltene Wasserdampf ab einer gewissen Höhe kondensiert, entstehen Cumuluswolken am oberen Ende der Aufwinde. Diese sind für den Segelflieger ein untrügliches Zeichen für die Thermik, die er sucht. An manchen Tagen steigen die Aufwinde nicht hoch genug, um Wolken zu bilden, da sie durch eine warme Luftschicht in der Höhe vorzeitig gestoppt werden. Solch eine warme Luftschicht heißt “Inversion” und die Segelflieger sprechen dann von “Blauthermik”. Da es dann am Himmel keine Anhaltspunkte mehr gibt, muss sich der Pilot an der Bodenbeschaffenheit orientieren, wenn er die Aufwinde finden will. Manchmal helfen auch Vögel weiter, die ebenfalls die Aufwinde für ihren Aufstieg in der Luft nutzen. Sie haben keine Angst vor Segelflugzeugen, sondern achten sogar auf ihre ungefiederten “großen Brüder”, um von ihnen bei der Suche nach günstigen Luftströmungen zu profitieren.

Leewelle
Eine Leewelle entsteht so ähnlich, wie der Ton in einer Blockflöte. Wenn Luft gleichmäßig und mit der richtigen, meist sehr hohen Geschwindigkeit quer über ein Hindernis, z.B eine Bergkette oder auch eine Wolke, strömt und eine Inversion da ist, kann sich dahinter eine Schwingung aufbauen. Da die Luft dabei weiter strömt, erscheint diese Auf- und Abschwingung wie eine Welle. Man fliegt dann in den aufsteigenden Bereichen gegen den Wind, sodass man praktisch auf der Stelle stehend ganz ruhig hoch getragen wird. So werden in Gebirgen z.B. den Alpen oder den Anden Flüge bis in über zehntausend Meter Höhe, wo der Horizont schon die Erdkrümmung zeigt, oder 3000 km Strecke möglich. Für solche Höhenflüge braucht man allerdings eine Atemmaske für Sauerstoff und eine sehr gute Kälteschutzbekleidung. Der bekannteste Wellenwind ist der Föhn in den Alpen, der manchmal auch bis nach Norddeutschland reicht und bei uns dann an den Mittelgebirgen Welle auslöst,

Da die Wetterbedingungen für Thermik und Welle meist genau gegensätzlich sind, gibt es bei uns im Frühling und Sommer fast nur Thermik und im Herbst und Winter dann öfter Welle.

Share